Bericht Hoffnungsbarometer

St. Gallen, 17.01.2022

Das Hoffnungsbarometer wird jährlich erhoben und Daten rund um das Stressempfinden, Bewältigungsstrategien, persönliches Wachstum und persönliche Hoffnungen bzw. Quellen von Hoffnung ermittelt. Thema ist darüberhinaus auch die Einstellung gegenüber den COVID-19-Impfungen. Der Bericht umfasst die Ergebnisse der Umfrage von November 2021.

Das Wichtigste:

  1. Verglichen mit 2020 sind die Menschen in der Schweiz zwar genauso zufrieden mit ihrem Leben aber deutlich unzufriedener mit der Politik, den gesellschaftlichen Trends und der mangelnden Bewältigung der COVID-19-Pandemie. Die Entwicklung der Wirtschaft wird in 2021 deutlich positiver bewertet und die Stressbelastung befindet sich auf einem ähnlichen mittelstarken Niveau wie im Vorjahr. Zwischen 15 und 20 Prozent der Bevölkerung haben stark unter der aktuellen Krise gelitten, vor allem Jugendliche und alleinstehende Personen.
  2. Frauen haben trotz höherer Stressbelastung eine vergleichbar hohe Lebenszufriedenheit wie Männer. Dies ist vor allem auf den Einsatz wirksamer Bewältigungsstrategien wie eine positivere Bewertung der persönlichen Situation, eine effektivere Selbstwirksamkeit sowie auf verschiedene Quellen sozialer Unterstützung zurückzuführen. Als Folge davon haben Frauen ihre persönlichen Stärken besser erkannt, mehr Wertschätzung für das Leben entwickelt, ihre zwischenmenschlichen Beziehungen gefestigt und neue Möglichkeiten im Leben genutzt.
  3. Viele Menschen in der Schweiz konnten erfolgreich mit den aktuellen Herausforderungen umgehen. Sie konnten die Schwierigkeiten und Hindernisse akzeptieren und positiv integrieren. Im Vergleich zu 2020 erkennt man allerdings eine deutliche Ernüchterung und Enttäuschung, die in manchen Fällen in Mutlosigkeit und Niedergeschlagenheit gemündet sind. Gelitten haben dabei vor allem der soziale Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung, obwohl diese von den meisten Menschen als wichtige Quelle von Hoffnung angesehen werden.
  4. Die allgemeine Hoffnung in die Zukunft ist nach wie vor zwischen mittelstark und stark ausgeprägt, allerdings etwas tiefer als 2020. Frauen und ältere Menschen sind leicht aber signifikant hoffnungsvoller als Männer und jüngere Personen. Die meisten Menschen hoffen - wie in den vergangenen Jahren - vor allem auf gute Gesundheit, auf eine glückliche Familie, Ehe oder Partnerschaft, auf ein harmonisches Leben, auf Selbstbestimmung, auf gute zwischenmenschliche Beziehungen sowie auf eine sinnerfüllende Aufgabe im Leben. Sowohl ein sicherer Arbeitsplatz als auch der Wunsch, anderen Menschen zu helfen, haben gegenüber dem Vorjahr an Bedeutung verloren. Die wichtigsten Quellen von Hoffnung sind die Erlebnisse in der Natur, die Unterstützung von Familie und Freunden, die eigenen Fähigkeiten sowie die gegenseitige Hilfsbereitschaft.
  5. Aufgrund der aktuellen Krise konnten viele Menschen in der Schweiz in leichtes bis mittelstarkes persönliches Wachstum erleben. Durch die erfolgreiche Bewältigung der persönlichen Herausforderungen konnten sie ihre Stärken besser kennenlernen und eine tiefere Wertschätzung für ihr Leben entwickeln. Einige, vor allem Frauen, konnten auch eine stärkere Verbindung zu anderen Menschen aufbauen und neue Möglichkeiten ergreifen.
  6. Die persönlichen Einstellungen gegenüber COVID-19-Impfungen bestimmen das Impfverhalten der Menschen massgeblich. Geimpfte Menschen glauben an die Wirksamkeit und den Nutzen von Impfungen, fühlen sich dadurch geschützter, machen sich seltener Sorgen über zukünftige Nebenwirkungen und haben ein grösseres Vertrauen in den Staat. Ungeimpfte stehen diesen Themen viel kritischer gegenüber, sind mit den aktuellen Entwicklungen in der Gesellschaft daher deutlich weniger zufrieden, verfügen aber über eine hohe Lebenszufriedenheit und ein starkes Selbstvertrauen.
Weitere Informationen